Ehe ich das wieder vergesse, will ich das hier einmal zusammentragen:
Meine Quelle ist Adrian Boas: "Domestic Settings Sources on Domestic Architecture and Day-to-Day Activities in the Crusader States"
Vorwort
Gewölbe und Mauern:
In der Levante wurden Dächer entweder als Tonnengewölbe, oder als Kreuzgewölbe gebaut. Tonnengewölbe brauchten massive und dicke Seitenwände um das Gewölbe zu tragen, wodurch in diese Wände nicht besonders viele Fenster oder Türen eingefügt werden konnten. Tonnengewölbe waren relativ einfach zu bauen, brauchten aber viel Zeit und Material.
Kreuzgewölbe entstehen, wenn zwei Tonnengewölbe senkrecht aufeinandertreffen. Anstatt auf massiven Seitenwänden, ruht das Gewölbe auf vier Säulen. Man kann so viele Kreuzgewölbe aneinander reihen wie man möchte und somit eine große, überdachte Fläche schaffen. Die Außenwände können beliebig große Fenster enthalten (da sie nicht tragend sind). Kreuzgewölbe sind in der Konstruktion aber aufwändiger als Tonnengewölbe und benötigen wohl einen kundigen Baumeister. Meistens wurden daher Tonnengewölbe genutzt, wenn es keine guten Gründe für ein Kreuzgewölbe gab.
Zisternen:
Jedes noch so kleine Haus in der Levante hatte eine Zisterne, größere Häuser hatten oftmals mehrere. Hier wurde das Wasser von Dächern und Innenhöfen gesammelt. Es gab ein kleines Vorbecken, in welchem sich Schmutz und Staub absetzen konnte, so dass nur sauberes Wasser in die Zisterne floss.
Latrinen:
Selbst in den Häusern von relativ bescheidenen Händlern gab es Latrinen. Diese waren meistens im Obergeschoss, in der Nähe der Schlafstätten.
Baumaterialien und Putz:
Als Baumaterialien konnte man zwischen großen, ordentlich gehauenen Quadern oder Feldsteinen wählen. Die dicken Mauern bestanden immer aus einer inneren Steinreihe und einer äußeren, der Innenraum wurde mit einer Mischung aus kleineren Steinen, Geröll und Mörtel/Putz befüllt.
Viele Burgen und die Häuser wohlhabender Menschen wurden mit großen Steinquadern erbaut. Wenn man es dann billiger haben wollte, nutzte man die ordentlichen Quader nur für die Ecken der Häuser und für die Fenster und Türbögen. Der Rest der Außen- und Innenmauern wurde dann mit Feldsteinen und/oder unregelmäßigen Quadern erbaut.
Je nachdem wie toll die Mauer war, wurde sie verputzt oder nicht. Innen wurde meistens verputzt, außen ließ man die schönen Steinquader gerne sichtbar. Wenn man aber auch für die Außenmauer eher ein Sammelsurium an Steinen verwendet hatte, kam auch dort eine dicke Schicht Putz hinauf. Bei verputzten Wänden ließ man die Fenster und Torbögen gerne unverputzt. Besonders die fränkischen Gewölbe waren oft aus einem Sammelsurium an größeren und kleineren Steinchen gebaut, die mit Mörtel zusammengehalten wurden. Danach wurde das ganze unter einer dicken Schicht Putz versteckt.
Auf dem Putz hat man, je nach Geldbeutel, Wandmalereien angebracht.
In die Wand gebaut gab es auch oft kleine oder größere Nischen, welche als Schrank oder Regal genutzt wurden. Teilweise waren diese so groß wie Fensteröffnungen und boten beträchtlichen Stauraum.
Oftmals verwendete man den Stein, den man an der Baustelle vorfand. Zum Beispiel musste der Baugrund geebnet werden und eine Zisterne in den Fels gehauen. Der Aushub reichte dann schon für einen Großteil des Hauses. Wenn man aber wert darauf legte, konnte man besonderen Stein von weiter weg heranschaffen. Sehr gerne bediente man sich auch bei antiken Ruinen!
Städtisch
Paläste und große Anwesen:
Über diese Gebäude weiß man nicht viel, da nicht viel davon erhalten ist. Meistens werden diese Bauwerke aber ein großes Hauptgebäude umfasst haben, welches einen repräsentativen Saal und private Gemächer beinhaltet hat. In Jerusalem gab es viele große Anwesen schon vor Ankunft der Kreuzfahrer. Die Franken hatten zu beinahe jedem eine Vorstellung, welcher biblischen Person es einmal gehört hatte (was natürlich Quatsch ist).
Palazzi der italienischen Kommunen:
Die Italiener hatten, zumindest in Akkon und Tyrus, mehrere sehr große Gebäude. Diese hatten eine große Grundfläche und waren 3 oder auch 4 Stockwerke hoch. Das unterste Stockwerk diente als Lager und Verkaufsfläche, in den oberen Stockwerken gab es Apparttements und Räume, die man mieten konnte (was viele Händler getan haben, da sie nur gewisse Monate im Jahr im Orient lebten).
Häuser um einen gemeinsamen Innenhof:
Was es häufig gab, waren Innenhöfe, um welche sich mehrere Häuser gruppierten. Meistens waren diese Innenhöfe von der Hauptstraße aus durch eine schmale Gasse erreichbar und an den Innenhof reihten sich mehrere zweistöckige Gebäude. Oft hatten diese Gebäude außenliegende Treppen und manchmal teilten sich mehrere Parteien eine Treppe. In den unteren Stockwerken wurde gearbeitet, oben wurde geschlafen.
Händlerhäuser:
Typische Handelshäuser waren an Hauptstraßen gelegen und hatten unten eine Lager und Ladenfläche und oben einen Wohnbereich. Meistens waren diese Häuser länger als breit und die kurze Frontseite war zur Straße hin ausgerichtet. Die beiden langen Seitenwände teilten sich die Häuser dann mit den Nachbargebäuden.
Turmhäuser:
Auch eine italienische Sache und eher in Akkon und Tyrus zu finden. Sind ähnlich wie die Palazzi, nur mit kleinerer Grundfläche. Auch hier gibt es unten Lagerräume und oben (meist teure) Mieträume. Diese Gebäude haben den Vorteil, dass sie Schutz bieten!
Ländlich:
Reihenhäuser in geplanten Straßensiedlungen:
Es gab verschiedene Formen von Dörfern. Geplante Straßensiedlungen, bei welchen die Häuser allesamt lang und relativ schmal waren (5x15m). Die kurze Seite grenzte an die Straße und die beiden langen Seitenwände grenzten an die Nachbarshäuser (die Häuser teilten sich zumeist die Seitenwände). Hinter den Häusern hatten die Bewohner kleine Gemüsegärten und dahinter begannen die Felder des Dorfes.
Innenhofhäuser in ungeplanten Siedlungen:
In weniger planmäßig gebauten Siedlungen gab es auch Häuser mit Innenhof, eine Bauform die in der Levante schon seit Jahrhunderten verbreitet ist.
Farmhäuser:
Ein Stück Abseits der Dörfer gab es auch Farmhäuser, die meistens etwas größer waren als die Häuser der Dörfer. Sie besaßen ein Haupthaus mit Nutzräumen im Erdgeschoss (Lager und Küche) und Wohnräumen im ersten Stock. Daneben konnte es kleine Ställe und weitere Lagerräume geben.
Herrenhäuser:
Der Übergang zu Farmhäusern ist fließend, aber Herrenhäuser zeichnen sich dadurch aus, dass sie administrative Zentren für ein Gebiet sind und hier die Steuerabgaben (meistens in Naturalien) eines umliegenden Gebiets gelagert werden. Sie können einem weltlichen Herrn gehören der hier selbst lebt oder einen Verwalter installiert hat, sie können aber auch einer kirchlichen Institution gehören. Herrenhäuser bestehen zumindest aus einem großen (oft auch wehrhaften) Bauwerk aus zwei Stockwerken, unten Küche und Lager, oben repräsentativer Saal und Wohnräume. Bei Bedarf können weitere kleinere Gebäude an den Saalbau angeschlossen werden, wodurch oft ein Innenhof gebildet wird.
Donjon:
Der Donjon war ein großer Wohnturm und meistens der erste Teil einer Burg, welche später dann noch erweitert wurde. Alle fränkischen Bauwerke hatten sehr dicke Mauern (2 Meter und mehr), die großen Burgtürme hatten aber Mauern von bis zu 4 oder 5 Metern dicke. Diese dicken Mauern waren nötig um die massiven Gewölbe zu tragen und um den Turm wehrhaft zu machen. Die meisten Türme waren sehr groß und hatten eine rechteckige Grundfläche von 20x20 Metern oder mehr. Zumeist hatten sie zwei Stockwerke (eher selten drei). Das untere Stockwerk wurde als Lagerräume genutzt und besaß nur schmale Schießscharten, während das obere Stockwerk auch breitere Fenster haben konnte um Licht hinein zu lassen. Hier befanden sich Halle und private Gemächer.
Wenn es nötig war, wurden um den Donjon weitere Gewölbe und eine Mauer errichtet, in denen Lagerräume, Stallungen und dergleichen Platz fanden.