• Liebe Mitspieler, um das Geschichtsforum wieder etwas zu beleben hier mal was für unsere Geschichtsbegeisterten zum Diskutieren. Ich frage mich das schon länger. :)


    Es geht um die Burg Chastellet, auch Vadum Jacob genannt, welche 1177 von König Balduin V an der Jakobsfurt errichtet wurde und welche Saladin so sehr ein Dorn im Auge war, dass er erst Geld bot damit die Burg nicht gebaut würde und er schließlich die Burg erobern und schleifen ließ.


    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Chastellet



    Meine Frage hier ist, wie war das rechtlich? Das Gelände auf dem die Burg stand gehört zum Fürstentum Galiläa, die Burg wurde aber eindeutig vom König besuftragt und war von einer Garnison aus Templern besetzt.


    Durfte ein König in einem Lehen einfach eine Burg bauen lassen? Oder geht ihr davon aus, dass dies mit dem Fürsten abgesprochen war?

    fuerst.png hautecour.png Melisende_von_Jerusalem.png
    Seine fürstliche Gnaden Guillaume de Bures, Fürst von Tiberias und Herr von Jericho
    Ehemann der Catherine de Grenier
    Adliger von Jerusalem
    Ritter, Konstabler von Jerusalem

  • Ich glaube nicht, dass ein Monarch so einfach das Recht besaß Burgen und Festungen in den Gebieten seiner Vasallen zu berichten. Allerdings kommt es wie so oft auf den jeweiligen Hintergrund an. Da der Fürst von Tiberias zu den mächtigsten Kronvasallen gehört, auf den der König angewiesen ist, kann ich mir schwerlich vorstellen, dass er dort einfach so und ohne Rücksprache eine Burg hingesetzt hat. Bei einem kleineren Vasallen könnte man es hingegen versuchen es durchzudrücken und der muss es dann zähneknirschend schlucken , weil er es sich nicht mit dem König und den Templern verscherzen möchte und zudem in ein schlechtes Licht gerückt wird, wenn er sich dem Bau einer strategisch sinnvollen Wehranlage verschließt.


    Ich könnte dir noch ein Beispiel aus dem Langedoc anbieten. Dort musste sich der Graf von Toulouse nach dem Albigenserkreuzzug verpflichten einige seiner Wehranlagen an den König von Frankreich abzutreten, die mit königlichen Garnisionen belegt wurden. Der Graf von Toulouse musste sich sogar Vertraglich verpflichten für den Unterhalt dieser Garnisonen aufzukommen. Allerdings liegt hier der Fall so, dass der Graf von Toulouse mit dem Rücken zur Wand stand. Im gleichen Zuge musste er sich auch verpflichten eine Universität zu stiften und diese zu unterhalten.


    Hilft dir das erst mal weiter?

    baron.png hautecour.png seneschall.png Melisende_von_Jerusalem.png
    Seine Gnaden Romain du Puy, Baron von Oultrejordain
    Ehemann der Eleonora von Jaffa
    Adliger von Jerusalem
    Ritter, Seneschall von Jerusalem

  • Ich stimme zu, ein König konnte das nicht so einfach tun, insbesondere angesichts des hohen Grades von Autonomie der Vasallen im Königreich Jerusalem. Es müssten da schon ganz bestimmte Bedingungen am Werke sein. Romains Beispiel von Toulouse war im Grunde genommen eine Kapitulation nach einem langen, ziemlich katastrophalen Krieg und das Vorspiel auf die Liquidierung der Grafschaft nach dem Tod des Grafen - also ziemlich besondere Umstände :)


    Ein Beispiel das mir einfällt war aus dem Jahr 1356, als Kaiser Karl iv die Burg karlshaus errichten ließ und sich danach mit Haus Rosenberg in die Haare kriegte. Obwohl die Burg genau an der Grenze zwischen krongut und der Herrschaft Rosenberg errichtet wurde, (und eigentlich nicht wirklich in der Herrschaft selber) beschwerte sich der Herr von Rosenberg am Reichstag darüber, dass Karl illegal seine Herrschaft beeinträchtigte. Karl und Rosenberg einigten sich schließlich mit einem Ausgleich, aber das beweist wie sensibel sowas war.


    Ich denke also dass ein König, bevor er auf dem Gebiet eines Vasallen eine Burg errrichten wollte, ziemlich sicher vorher normalerweise um Genehmigung beim Vasallen ersuchen müsste, oder alternativ zumindest so eine Aktion durch eine Wahl in der haute cour absegnen lassen musste :)

    patriarch.png hautecour.png Melisende_von_Jerusalem.png Guillaume_de_Bures.png
    Seine Seligkeit Gregor von Brandis, Patriarch von Jerusalem
    Bischof der römisch-katholischen Kirche
    Patriarch von Jerusalem

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