Mittelalterliche Kriegsführung

  • Ich wollte hier mal ein paar Worte zur Mittelalterlichen Kriegsführung verlieren. Da wir ja immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen haben und es an der Grenze zum Emirat Askalon immer heftiger zugeht, dachte ich sowas kann nicht schaden. :)


    Grundlage


    Das ganze Wesen der mittelalterlichen Kriegsführung wird eigentlich von einem Interesse bestimmt, nämlich dem nach Land. Land ist im Mittelalter das wichtigste Gut überhaupt, vor allem natürlich für den Adel. Land brachte Einnahmen ein, wenn es bewirtschaftet wurde und wer viel Land hatte, hatte auch viel wirtschaftliche und politische Macht. Man konnte Teile des Landes an Aftervasallen abgeben, die einem dann im Gegenzug Treue schuldeten. Land wurde mit Burgen gesichert und kontrolliert. Wer eine Burg, oder einen anderen befestigten Punkt besaß, der kontrollierte das Land im Umkreis dieser Burg, es sei denn es gab noch andere Burgen, die die Kontrolle beeinträchtigten.


    Interessen des Angreifers


    Im Krieg war nun das Hauptinteresse des Angreifers, sich neues Land zu sichern. Und das tat er, indem er Burgen oder andere befestigte Orte, wie eben Städte, einnahm, mit denen er dann das Land kontrollieren konnte. Ohne den Besitz der befestigten Orte einer Region, kann man diese Region nicht halten, mit anderen Worten man hat nichts davon. Es bringt einem also erstmal gar nichts, wenn man ein großes Heer in einem Land hat und dort sogar Schlachten gewinnt, solange man nicht die Burgen und Städte erobern kann.


    Im Mittelalter gab es zwei Arten von Kriegen, bzw. Feldzügen. Entweder man versuchte bei seinem Feldzug eine gewisse Burg, oder auch mehrere Burgen zu erobern, oder man versuchte das Land, das von diesen Burgen kontrolliert wurde, zu verwüsten. Das Einnehmen der Burgen war oft nicht so einfach. Sie waren natürlich von ihrem Besitzer bemannt und vor allem wenn der Verteidiger ebenfalls eine Armee im Feld hatte, war eine Belagerung nicht gut möglich. In solchen Fällen verwüstete man also das Land des Verteidigers, denn auch das brachte einem selbst massive Vorteile ein.


    Zum Einen konnte man durch Plünderungen und Verwüstungen natürlich Beute machen. Der wichtigere Faktor war aber, dass man so den Feind massiv schwächte. Man entzog ihm seine wirtschaftliche Grundlage und zeigte seinen Untergebenen, dass er nicht fähig war sein Land und seine Untergebenen zu verteidigen.


    Wenn man nun mehrere Jahre lang jedes Jahr eine Armee ins Feindesland schickt, dort alles niederbrennt was nicht von einer Mauer geschützt wird und somit die Wirtschaft des Feindes zerstört, sowie die Moral seines Volkes schwächt, dann kann irgendwann ohne größere Probleme auch die Burgen und Städte des Gebietes, welches man gerne haben möchte, erobern. Wenn der Feind immer weniger wirtschaftliche Mittel hat, kann er keine Feldarmee mehr stellen, die den Angreifer an seinen Belagerungen hindert.


    Die Strategie des Verteidigers


    Als Verteidiger muss ich nun also zusehen, dass ich die Pläne des Angreifers so gut wie möglich vereitele. Dieser hat nun erstmal den Vorteil, dass er die Initiative hat und den Ort und den Zeitpunkt seines Angriffs bestimmen kann. Es dauert also etwas, bis man als Verteidiger reagieren kann und eine eigene Armee zusammen hat, die man dem Feind entgegenstellen kann. Bis dahin sind sicherlich schon einige Dörfer der Verwüstungstaktik des Feindes zum Opfer gefallen.

    Solange es keine verteidigende Armee in einem Gebiet gibt, kann der Angreifer sich austoben. Er kann seine Armee aufspalten um eine möglichst große Fläche zu plündern und zu verwüsten und er kann damit beginnen Burgen zu belagern. Sobald aber eine verteidigende Armee im Feld ist, muss auch der Angreifer seine Truppen zusammenziehen, damit er nicht Gefahr läuft einzeln aufgerieben zu werden. Der Verteidiger kann nun also verhindern, dass sein Land geplündert wird (zumindest fast vollständig) und dass seine Burgen belagert werden. Die Armeen haben nun gegenseitig das Problem, dass sie versorgt werden müssen, wobei der Verteidiger natürlich den Vorteil hat im eigenen Gebiet zu sein. Ihm gehören die befestigten Orte und er kann sich somit viel besser versorgen. Der Angreifer ist auf Lieferungen aus den eigenen Gebieten, oder auf Plünderungen angewiesen. Beides kann der Verteidiger unterbinden oder zumindest stark stören.


    Eine entscheidende Schlacht?


    Diese Situation, dass also beide Armeen sich ewig belauern wird also nicht ewig so weitergehen können, denn der Angreifer wird wahrscheinlich irgendwann Versorgungsprobleme bekommen. Sein wichtigstes Ziel, also die befestigten Orte einzunehmen, kann er nun sowieso nicht mehr ohne weiteres erreichen und auch sein alternativ Ziel kann er nicht mehr wirklich vorantreiben, da seine Armee immer recht dicht beisammen bleiben muss und so nicht gut Plündern kann.


    Was passieren kann, wenn der Angreifer in so einer Lage ist, zeigt die Belagerung von Damaskus im Jahr 1128. Die Kreuzfahrer hatten ein riesiges Heer vor Damaskus und die Damaszener haben sich hinter ihren Mauern verschanzt. Aber die Kreuzfahrer hatten Versorgungsprobleme und schickten daher einen großen Teil ihrer Armee ins Umland um dort Nahrungsmittel zu plündern. Diese kleinen Teileinheiten wurden von den Damaszenern nun in einem Angriff vollkommen aufgerieben. Die Kreuzfahrer sahen sich danach in der selben Situation wie vorher, nämlich ohne Versorgung und hatten zudem viele Männer verloren. Sie zogen sich also zurück, obwohl sie den Damaszenern immernoch Zahlenmäßig überlegen waren.


    Nun fragt man sich, warum greift der Angreifer den Verteidiger nicht einfach an? Das kann viele Gründe haben. Der Verteidiger kann sich natürlich einen Geländevorteil sichern, indem er sich in einer Burg, einer Stadt oder auf einem Hügel verschanzt. Oder aber er hat einfach so viele Männer, dass der Ausgang der Schlacht ungewiss ist. Der Angreifer geht also ein ziemliches Risiko ein. Verliert er die Schlacht, hat er eine herbe Niederlage erlitten, die Moral des Verteidigers ist hoch und vielleicht muss er sogar seinen Tross zurücklassen, den der Verteidiger dann erbeuten kann. Gewinnt der Angreifer die Schlacht, hat er unmittelbar erstmal trotzdem nichts gewonnen. Er kann nun zwar weiter plündern und belagern, aber die befestigten Orte muss er trotzdem noch einnehmen und das ist ihm aufgrund der Folgen der Schlacht (eigene Verluste) vielleicht ja nicht mehr möglich. Wenn er sich aber zurückzieht, hat er als positives Ergebnis des Feldzuges immernoch von ihm begangenen Plünderungen zu verzeichnen. Das Risiko, die Schlacht zu verlieren, war den Angreifern meist viel zu hoch, so dass es in der Geschichte nur relativ selten zu großen Schlachten kam.


    Die Kreuzfahrerkönige haben beispielsweise in ihrer Anfangszeit kaum Schlachten gegen die Seldschuken geschlagen. Es wurde viel Land von den Seldschuken erobert, vor allem im Bereich von Galiläa und Oultrejordain, aber es gab keine größere Schlacht in diesen Gebieten. Das Land wurde durch Plünderungen verwüstet und die Burgen wurden durch Belagerung eingenommen. Die Franken hatten die Seldschuken als Gegner kennen gelernt, die man ernst nehmen musste und gegen die eine Schlacht auch durchaus mal schlecht ausgehen konnte.


    Bei den Fatimiden sah das anders aus. Die Kreuzfahrer haben eine Fatimidenarmee nach der anderen geschlagen, Jahr um Jahr. Sie sahen die Fatimiden nicht als gefährliche Gegner an, da ihre Soldaten der Taktik der Franken mit ihrer schweren Kavallerie nichts entgegenzusetzen hatten. Die Fatimiden haben die Angriffe dann auch irgendwann eingestellt und waren eigentlich zu unserer Zeit keinerlei Bedrohung für die Kreuzfahrer, das wurden sie erst zu Zeiten Saladins wieder. Die ernstzunehmenden Widersacher der Kreuzfahrer zu unserer Zeit, sind die Seldschuken.


    Wenn es dann doch mal zum Gefecht kam


    Es kam natürlich auch oft genug in der Geschichte zu Schlachten und noch öfter zu kleineren Gefechten. Die "Taktik" der mittelalterlichen Feldherren war dabei recht simpel. Man hatte ja keine gut disziplinierten Kohorten unter sich, sondern einen Haufen aus ruhmsüchtigen Rittern, Reitern und Fußvolk. Es gab keine Uniformierung und keine Möglichkeit schnell vom einen Ende des Schlachtfeldes zum anderen irgendwelche komplizierten Befehle zu geben.


    Die Grundtaktik war also Frontal auf den Feind zuzustürmen, vor allem bei kleineren Gefechten stürmten einfach beide Haufen aufeinander zu, Reiter und Fußvolk gemischt und hauten sich bei Schädel ein. Bei größeren Schlachten hatte man manchmal noch etwas mehr Organisation, man konnte zum Beispiel erstmal die Bogenchützen ein wenig plänkeln lassen und dann die schweren Reiter in einer Masse vorschicken und das Fußvolk hinterher. Aber kompliziertere Manöver, wie Flankenangriffe oder vorgetäuschte Rückzüge, gelangen nur wirklich exzellenten Feldherren, von weiteren taktischen Spielchen wollen wir hier gar nicht reden.


    Ob es damals bewusst war oder nicht, zu kompliziert durfte es in einer Schlacht auch gar nicht werden. Als Ritter hatte man keine wirkliche Möglichkeit zwischen Feind und Freund zu unterscheiden, zumindest was das Fußvolk betraf und auch bei den Adligen konnte man nicht immer sicher sein. Es gab keinerlei Uniformierung, höchstens eine kleine Haustruppe des Fürsten oder Königs war irgendwie in einheitliche Farben gekleidet. In unseren Breiten haben die Krieger ja wenigstens den Vorteil, dass für die Franken alles was arabisch aussieht, der Feind ist und umgekehrt. In Europa kam es durchaus auch mal vor, dass man dem falschen seinen Morgenstern über die Rübe zog.


    So, ich hoffe ich habe euch mit dieser kleinen Schilderung geholfen. :)


    PS: Das was hier steht, kann man auch in dem Buch "Crusading Warfare 1097-1193" von R.C. Smail nachlesen.

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