Name: Emelotte de Chocques
Geburtsjahr: 1091
Stand: 2. Stand
Volk: Lateiner
Religion: Römisch-katholisches Christentum
Wohnort: Jerusalem
Familie: de Grenier
Zusätze: Adlige von Jerusalem
Avatar: Diane Kruger
Probepost:
Juni 1123, Eine Witwe
Im Grunde war dieser Tag wie jeder andere Tag bislang auch gewesen. Seit einigen Wochen waren Emelotte und ihre drei Kinder nun in Jerusalem, im Anwesen der Familie de Grenier. Sie nannte diesen Ort eigentlich nicht ihr Zuhause, obgleich sie hier ihre Hochzeitsnacht mit Eustache feierte. Diese war nun schon gute fünfzehn Jahre her - wie die Zeit verging! Damals war sie noch recht jung gewesen, siebzehn Jahre gerade einmal. Jung und voller Aufregung, denn Eustache galt schon damals als ein außergewöhnlich talentierter und erfolgreicher Streiter und viele Frauen hatten ihm bewundernde Blicke zugeworfen. Natürlich, war er doch neben alledem auch noch der Baron von Caesarea gewesen. Dennoch sollte sie es sein, die ihn heiraten würde und sie sollte es sein, die seine Kinder gebären würde. Ja, gute fünfzehn Jahre war es nun her und alles hatte sich so sehr verändert, alles hatte sich gewandelt. Sie selbst, Eustache, ihr Leben - und ihre Ehe. Die Bewunderung war mit der Zeit gewichen, so wie auch diese Ergebenheit. Eustache war nicht perfekt, obgleich sie es anfänglich immer noch geglaubt hatte. Oder gehofft?
Emelotte hatte lernen müssen, dass er keineswegs vollkommen war. So, wie es kein einziger Mensch auf der Welt war, gar sein konnte. Mit Ausnahme ihrer drei Kinder, die wenigstens an den Tagen ihrer Geburt vollkommen perfekt waren. Kein einziger Makel hatte an ihnen gehaftet und alleine ihretwegen empfand sie dennoch eine aufrichtige Liebe für Eustache de Grenier. Die Liebe war nicht jenes leichte Gefühl, dass es zwischen Mann und Frau zu Beginn vieler Ehen oder Liebschaften gab. Diese Liebe war von einer eher bodenständigen Natur, geprägt von einem tiefen und aufrichtigen Respekt. Aber sie war da.
Ja, dieser Tag war wie jeder andere gewesen. Bis zu dem Moment, als Arnaud zu ihr getreten war. Arnaud de Fauquembergues, ein treuer Ritter ihres Mannes. Sie hatte an seinem Gesicht sofort gesehen, dass etwas nicht in Ordnung war und seine Worte hatten diese Überlegung bestätigen können. Eustache war gefallen. Er war verwundert worden und nach einer recht kurzen Zeit schon seinem Wundfieber erlegen. Mit der Fassung einer Dame hatte sie die Nachrichten aufgenommen. Was wäre ihr auch anders übrig geblieben? Sie konnte ja nichts daran ändern. Eustache würde nichts mehr ins Leben zurückholen und es war ja ohnehin klar gewesen, dass er niemals in aller Ruhe sterben würde, niemals als ein alter Mann. Dafür war er viel zu sehr in seinen Krieg verliebt gewesen, dafür hatte er viel zu wenig Ruhe gehabt. Vermutlich verdarb der Krieg einen Mann irgendwann, nahm ihm die Fähigkeit noch Glück in anderen Disziplinen zu suchen und zu finden. Sie wusste es nicht. Sie hatte nie auf einem Schlachtfeld gestanden, sondern war Ehefrau und Mutter gewesen, immer. Ihre Söhne waren mittlerweile dreizehn Jahre alt, ihre Tochter neun. Und sie alle drei waren bestens dazu geeignet, sie stolz zu machen. Gérard kam ganz nach seinem Vater und Emelotte liebte ihn mit einer Intensität, wie nur eine Mutter ihren Sohn lieben konnte. Gautier, nun, er kam weit mehr nach ihr, seiner Mutter. Er bewies eine unglaublich hohe Intelligenz und einen bemerkenswerten Intellekt und sie hatte es immer sehr genossen, ihn zu schulen oder ihm dabei zuzusehen, wie Gelehrte ihn weiter und weiter bildeten. Er war klug, diszipliniert und bemerkenswert. Ja, und dann Catherine. Sie war noch ein wenig unförmig, aber Emelotte war überzeugt davon, dass sie einmal ein Schwan werden würde, eine wunderschöne Frau. Und sie würde die Ehre haben, sie eines Tages so sehen zu können. Ihre Tochter.
Eustache nicht.
Der Krieg machte allen zu schaffen, am meisten wohl aber den Ehefrauen und den Kindern und in diesem Moment, da die frische Witwe ihren Blick über das Land schweifen ließ, da wusste sie nicht, wie sie es ihren Kindern beibringen sollte. Besonders Gérard und Catherine, das wusste sie, würden es kaum begreifen können. Dennoch würde es ihre Aufgabe sein, es ihnen beizubringen. Gautier kam mehr nach ihr selbst. Er würde es aufnehmen, er würde wohl trauern, aber er würde auch seine Fassung bewahren. Und dann? Dann würde das Leben weitergehen. So wie immer.