1) Wie lautet Euer Name?
Constantia Angelina (aus der byzantinischen Adelsfamilie Angelos, Herrscher über Smyrna, Ephesos und Chios)
2) Wann wurdet Ihr geboren?
= 1111
3) In welchen Stand wurdet Ihr hineingeboren?
= 2. Stand
4) Welchem Volk gehört Ihr an?
= Ich stamme aus dem byzantinischen Kaiserreich.
5) Welche Religion ist die Eure?
= griechisch-orthodoxes Christentum
6) Wo wohnt Ihr?
= Konstantinopel, doch reise ich nach Jerusalem, sobald die Ehevertragsverhandlungen abgeschlossen sind
7) Habt Ihr Familie in Jerusalem?
= Nein.
Gibt es irgendwelche Besonderheiten über Euch zu wissen? Was seid Ihr von Beruf?
= Ich bin eine stolze adelige Dame - das sollte doch ausreichen!
9) Was ist Euer Begehr in unserem Königreich?
= Ich bin nach Jerusalem gekommen, um Gautier de Brisebarre zu ehelichen. Nicht, dass mir dieser Gedanke nach meiner ersten Ehe mit dem viel zu früh verstorbenen Nikephorus Anemas gefiele, doch gewisse Pflichten gehen mit dem Leben als Dame aus einem hohen Haus nunmal einher.
10) Wer ist Euer Gesicht?
= die junge Monica Bellucci
Leseprobe:
"Ihr wollt mich wem zur Frau geben, Vater? Einem Lateiner?"
Constaninos von Samos betrachtete seine älteste Tochter mit jener Leidensmiene, die verriet, dass er genau diese Reaktion erwartet hatte. Schon über ihre erste Eheschließung hatte sich Constantia über alle Maßen echauffiert und sich schließlich dreingeschickt, als sie bemerkte, dass ihr sonst in vielem überaus weichherziger Vater in diesem Punkt nicht nachgeben würde. Doch zwischen der bei ihrer ersten Eheschließung fünfzehnjährigen jungen Frau und der heutigen Edeldame gab es deutliche Unterschiede, bei denen sich Constantinos nicht sicher war, ob sie ihm gefallen wollten oder nicht. Ihre Schönheit hatte nun exquisite Vollendung gefunden, die helle Haut, ihr pechschwarzes Haar und die dunklen Augen machten sie mitsamt ihrer eleganten Bewegungen zu einer begehrenswerten Frau, der man ihren Adel auch ansah.
Doch auch ihr Starrsinn, ihr schnell aufflackerndes Temperament, die für eine Frau sicherlich nur selten zuträgliche Klugheit und ihre Lust an schönen Dingen hatten sich über die Jahre gesteigert, noch befeuert durch die Liebe zum Laster am Hof des Kaisers. Der Herrscher Iohannes Komnenos galt als sanftmütig und gerecht, führte jedoch gleichzeitig einen seinem Rang als Kaiser entsprechend prächtigen Hof, der Constantios' Tochter allzu früh angesteckt hatte. Innerlich seufzend nickte er, sich für den nächsten Ansturm wappnend. Dass sich dieser in einem an die Wand fliegenden Becher äußern würde, hatte er allerdings nicht erwartet.
"Wie könnt Ihr mir das nur antun! Ein Provinzherr in einem elenden Dreckloch von Kreuzfahrerstaat! Ein Krieger auch noch, der vermutlich nicht einmal weiß, wie man sich ordentlich bei Hof benimmt. Wollt Ihr eine Perle vor die Säue werfen?"
Rasch trat Constantios auf seine im Raum wütende Tochter zu und packte ihre Handgelenke, bevor sie den Krug dem Becher folgen lassen konnte. "Fasse Dich! Gauthier de Brisebarre ist ein vermögender Mann und genießt das Vertrauen von Königin Melisende. Auch wenn seine Herkunft nicht das ist, was wir uns vielleicht wünschen würden, es öffnet einen Hafen für uns, der sich zu einem wichtigen Umschlagplatz entwickeln kann - denke doch weiter als an Dein persönliches Ungemach! Du beschämst Deine gute Erziehung und unsere Familie!"
Constantia spannte die Muskeln ihrer Arme an, versuchte dem Griff ihres Vaters zu entweichen, doch dieser ließ sie nicht gehen. Wohl wissend, dass sie, wenn der erste Zorn erst einmal verraucht sein würde, wieder die Tochter wäre, die er sehen wollte.
"Schon einmal habt Ihr mir einen Gemahl aufgeladen, dessen Finger viel zu alt waren, um sich an irgend etwas anderem zu erfreuen als an seinem Gold und dem Weinpokal. Warum sollte es mit einem Krieger besser werden? Vor allem mit einem, der vermutlich mehr mit Schwert und Schild regiert denn mit Bedacht?"
"Umso mehr wird er eine kluge Gemahlin benötigen, die ihm den Rücken stärkt, wenn er in den Kampf gezogen ist," gab Constantinos zu bedenken und endlich erblickte er in den dunklen Augen seiner Tochter einen Funken gut verhohlener Neugierde. "Es muss nicht zu Deinem Nachteil sein, die Herrin einer Stadt zu sein, meine Tochter ... überlege es Dir." Als sich ihre Arme entspannten, entließ er ihre Handgelenke aus seinem Griff. Auf der hellen Haut zeigten sich deutlich die geröteten Spuren seiner Finger, doch beachtete sie dies nicht, sondern blieb in der Mitte des Raumes stehen, nachdenklich, mit einem langsam erblühenden Lächeln auf den Lippen. Dass an einer der hellen Wände ein dunkelroter Fleck prangte, war in diesem Moment für Constantia weitaus unerheblicher als der Gedanke, was sich wohl mit dem Geld ihres künftigen Gemahls anstellen ließe ...