Beiträge von Al Thi'b

    Nachtrag:


    Zitat

    Behinderte (mhd. gebrestige, gebrestliche, arme liute; lat. homines debiles). Personen, die durch angeborene oder erworbene Schädigung bleibend an Leib, Geist oder Seele erkrankt waren, bildeten im MA. – sofern sie nicht in ihrer Familie oder hinter Klostermauern ein behütetes Dasein fristen konnten – den Bodensatz der unbehausten Bettlerschar. Verkrüppelte, Lahme, Blinde, Taubstumme stellten ihr Leiden umso drastischer zur Schau, als sie sich davon mehr Mitleid und Almosen versprachen. Schwachsinnige fanden zuweilen auch ein Auskommen als Hofnarren, meist waren sie jedoch der Spottlust des Pöbels hilflos ausgesetzt, fanden allenfalls Zuwendung im "hospitale pauperum" eines Klosters, wurden schlimmstenfalls im Narrenhäuslein weggesperrt.
    Von behindert Geborenen wusste man, dass sie zur Unzeit, etwa in der Nacht zum Sonntag, gezeugt waren und ihr Gebrechen als sichtbares Zeichen göttlichen Zornes trugen. Sie wurden – obwohl die Geistlichkeit dagegen Stellung bezog – häufig kurzerhand getötet oder ausgesetzt. In anderen Fällen starben sie wegen Vernachlässigung und Verwahrlosung eines frühen Todes. Vielfach suchten die Eltern auch, Heilung ihrer behinderten Kinder durch Wallfahrten und Gelöbnisse zu erlangen. ®Mirakelbücher berichten von ungezählten Wunderheilungen angeborener oder erworbener Behinderungen, so z.B. das Mirakelbuch des Priesters Wolfhard aus dem Kloster Monheim (9. Jh.), demzufolge die hl. Walburga manche gehunfähige Verkrüppelte geheilt habe, ebenso Blinde, Besessene und Stumme. Dem 1183 heiliggesprochenen Erzbischof Anno II. von Köln (11. Jh.) wird eine Vielzahl exemplarischer Wunderheilungen zugeschrieben (Miracula Sancti Annonis I, II), wiederum Blinde, Taubstumme, Gelähmte, Spastiker, Besessene und Fallsüchtige betreffend.
    Von dem seltenen Fall, dass einem - wohl begüterten - Gehbehinderten mittels einer Orthese geholfen wurde, berichtet der Spiegel (36, 2011, S. 116): "Im späten 7. Jh. starb bei Würzburg ... ein humpelnder Ritter mit einer seltsamen Gehhilfe am Fuß. Das ... Gerät bestand aus zwei U-förmigen Eisenbändern, eins verlief unter dem Fußgewölbe, das andere um die Achillesferse." Die Konstruktion habe dazu gedient, einem wegen Bänderrisses instabilen Knöchel Festigkeit zu geben. Aus sma. Darstellungen sind primitive Prothesen und Gehhilfen (Stützen, Krücken) aus Holz bekannt, mit denen sich Beinamputierte dahinschleppten.


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    Das wird stark mit dem sozialen Stand desjenigen zusammenhängen. Wer reich war, konnte wohl noch einigermaßen leben. Wer nicht reich war, wurde unter Garantie auch von der Mehrheit gemieden und verspottet und wird irgendwann an unhygienischen Umständen oder Hunger verendet sein.


    Wer reich war, wird sich über Wasser gehalten haben. Wer wirklich tolerante Verwandtschaft hatte auch. Aber nicht einmal Verwandtschaft war ein Garant für Pflege und Fürsorge.


    Behinderte, und das klingt jetzt hart, hatten im Mittelalter eben überhaupt keinen Wert, waren fremdartig und "hässlich". Das ist keineswegs meine Meinung, aber man muss es halt mal zeitgenössisch so formulieren.


    Da die meisten von Geburt an Behinderten ohnehin schon kurz darauf getötet wurden, wird der Großteil also ohnehin aus im Nachhinein Verkrüppelten bestanden haben. Damals gab es kaum taugliche Arbeitsmöglichkeiten. Als Diener brachten die meisten nichts, harte Arbeit konnten sie nicht verrichten - wo also sollte in der "schönen" oder in der "harten" Welt Platz für sie gewesen sein?

    Habe noch etwas gefunden:


    Zitat

    Über Speisen und Getränke in den Gasthäusern im Mittelalter ist wenig überliefert. Es wird von ausgegangen, dass es recht einfache Speisen waren. Es gab Mittagstisch und Abendbrot. Auch eine Art Halbpension war möglich. Beim Wirt konnte man auch Nahrungsmittel zur Eigenverpflegung kaufen. Ebenso gab es die Möglichkeit eigene Lebensmittel mitzubringen und Diese im Gasthaus zu zubereiten.


    Gäste gegen Geld zu beherbergen gab es in den Gasthäusern erst seit dem 13. / 14. Jh., wobei ein Schlafsaal bis zu 50 Betten hatte, Einzelzimmer waren eher die Ausnahme. Im Spätmittelalter entwickelten sich verschiedene Typen von Gasthäusern - Taverne, Krug und die vollgültigen Gasthäuser.


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    Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, dass Schenken und Herbergen damals schon so ausgedehnt waren, dass es Zimmer gibt.


    Hab das hier grad gefunden, allerdings vielleicht nicht unbedingt aus zuverlässiger Quelle:

    Zitat

    Gasthäuser
    Die ersten Gasthäuser betrieben im Mittelalter quasi die Klöster, denen ihre Kenntnisse im Bierbrauen zu Gute kamen. Später entstanden an Handelswegen Gasthäuser, die Kost und Logis auf primitivem Niveau anboten. Einen Aufschwung erlebten sie, als sich im Spätmittelalter immer mehr Städte gründeten. Die Gasthäuser waren nicht nur der Ort, in dem Bier oder Wein ausgeschenkt wurde, sondern sie waren in vielen Fällen auch der Ort, in dem man um Geld spielte.


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    Und das klingt plausibel. Warum hätte es denn überall Gasthäuser geben sollen? Handelsrouten gut, für Händler und Kurier in kleinerem Ausmaß. Aber in Städten?

    Ich war mal eben so frech und habe das hierher geschoben, weil ich das Thema äußerst interessant finde und denke, es wäre zu schade um in einer Spamecke unterzugehen :)


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    Was das Thema angeht, finde ich es eine sehr gute Frage. Ich könnte mir gut vorstellen, dass man für einen kleinen Obulus in Privathaushalten unterkommen konnte oder, als Adliger, bei weeeit entfernten Verwandten (oder solche bei denen man vorgibt dass sie es sind).